Mein Re­sü­mee aus drei Monaten Arbeitslosigkeit

Halber Kopf mit Dutt

Kurze Vorgeschichte: Ich habe Ende Dezember meinen Job verloren, ich war fest angestellt als Mediengestalterin. Zu Beginn mochte ich meinen Job sehr, aber das letzte halbe Jahr bis eben Dezember war eigentlich richtig scheiße. Meistens bin ich motzend und energielos nach Hause gekommen, die Stimmung auf der Arbeit selbst war auch nicht besonders, die Aufgaben eintönig, das Führungspersonal – ich werde an dieser Stelle aufhören.

Dann wurde ich gekündigt, quasi aus dem Nichts heraus, was mich überraschte und erstmal auch irgendwie schockierte. Es gab diesen Teil von mir, der zwar erleichtert darüber war, aber in erster Linie war es doch ein Schock. Aber hey, ich dachte mir, kein Stress – machst eine gute Bewerbung, schickst sie an viele Unternehmen, findest bestimmt bis Ende Januar einen Job. So funktioniert das doch, oder?

Wer hätte es gedacht, dem war nicht so. Es hat nämlich bis Mitte April gedauert und jetzt mache ich auch was komplett anderes (und bin sehr glücklich damit).

Einen neuen Job finden

Ich werde euch nicht belügen – es ist nicht leicht. Es ist langwierig, anstrengend und zerrt sehr am Selbstbewusstsein. Es ist viel stupide Arbeit und nervige eintönige Mails. Aber was am Schlimmsten ist: Es bedeutet Stillstand. Ich spreche dieses Wort immer aus, wie andere „Voldemort“. Außerdem beginnt man ständig zu hinterfragen was man wert ist, sich selbst und einem potentiellem Arbeitgeber. Denn was kann man mit 23 schon großartig bieten? Viel Erfahrung? Eher nicht.

Wenn man dann erstmal nach mindestens 3-wöchiger Wartezeit auch mal zu ein paar Vorstellungsgesprächen eingeladen ist, kommt erstmal die vorschnelle Euphorie zu Tage. Ich bin super. Bald habe ich einen Job. War doch gar nicht so schwer. – Und dann rennt man mit Anlauf gegen eine Wand. Okay, Bewerbungsgespräche sind ein guter Schritt, aber bedeuten lange noch nicht am Ziel zu sein. Denn man trifft da potentielle Arbeitgeber, die einen zu best möglichsten Bedingungen ausbeuten wollen und dabei ein debiles Grinsen drauf haben. Außerdem bekommt man meistens einen ersten Eindruck vom Unternehmen, der in Euphorie oder Ernüchterung enden kann. Es gibt ihn eben nicht, den perfekten Job.

Das hat wohl auch die Sachbearbeiterin gedacht, die sich aufgegeben hat, indem sie einen Job beim Arbeitsamt angenommen hat.

Das Arbeitsamt

Was ist der Unterschied zwischen Freizeit und Arbeitslosigkeit? Das Arbeitsamt! Das hat man nämlich schon ab dem Zeitpunkt der Kündigung am Hals und es hält sich da sehr gut fest. Denn man muss da ständig hin; wenn man dann dort ist, sitzt man meist vor einer kompetenzlosen Person, die einem nicht weiterhelfen kann, aber gleich zum nächsten Termin einläd. Als ob das nicht genug wäre, Arbeitsamt is watching you – weil man absolut alles anmelden und genehmigen lassen muss. Wenn man verreist, wie viele Bewerbungen man schreibt, wenn man zum Vorstellungsgespräch muss oder Probearbeiten möchte (Ja, Probearbeiten muss man sich erst genehmigen lassen). Wer also dachte er hat paar Monate Freizeit, nope not gonna happen. Was mich auch etwas in dem Thema Freizeit eingeschränkt hat, ist, dass ich kein Geld hatte. Das Arbeitslosengeld hat nämlich nicht mal für meine Miete gereicht. Sehr hilfreich.

Das Label

„Was studierst du so?“ (Am häufigsten gestellte Frage, der ich sonst immer mit ich arbeite ausweiche) – „Ich wechsle gerade den Job“ – „Ich schaue mich nach etwas Neuem um“ – „Ich habe bis Dezember gearbeitet“ – was schlicht und ergreifend alles bedeutet „Ich bin arbeitslos“. Als ob man ohnehin nicht schon genug mit sich selbst darüber diskutieren muss, was für ein nutzloser Versager man ist – Nein, deine Mitmenschen wollen unbedingt mitdiskutieren. Reaktionen reichen dabei von guten bis schlechten Witzen über Empathie und vorgeheucheltes Mitleid bis Entsetzen. Selbstrechtfertigung wird dein bester Freund. Mein liebster Anruf war der meiner besten Freundin, Abends um zehn, stockbesoffen. Ich:“Ich leg jetzt auf, ich muss langsam ins Bett. Trink noch ne Flasche Wasser und leg dich schlafen.“ Sie (lallend, laut werdend):“Aber du musst doch gar nicht schlafen, du bist arbeitslos.“ Hach.Stickbild an der Wand

Es ist nicht alles schlecht daran. Man hat viel Zeit, die man gut nutzen kann, wenn man diszipliniert ist. Ich konnte ein paar Serien nachholen. Ich musste mich nicht für TK-Pizza rechtfertigen.

Was aber glaub ich wichtig ist: Mach deinen Wert niemals von deinem Job oder deinen Referenzen abhängig. Die Gesellschaft steckt eben gerne alles in Schubladen, meist ohne das bewusst zu tun. Es gibt nichts, was dir deinen Wert rauben kann. Nimm dein Selbstbewusstsein aus dir selbst – oder fake it ’til you make it. Ganz egal wie, lass dir nicht einreden, was du zu tun und zu lassen hast. Vor allem nicht, was angebracht ist und was nicht. Ich hatte keinen Bock auf einen Vollzeitbürojob und habe bei den Stellen, wo ich ihn bekommen hätte, abgesagt. Und ich bin absolut glücklich mit meiner Entscheidung. Ich habe jetzt einen anderen Job und wer weiß, wasich dann in einem halben Jahr mache. Ich brauche mich nicht rechtfertigen und ich muss auch nirgends versauern, nur weil es jemand anders für richtig hält.

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1 Kommentar

  1. Ist wirklich so. Ich geb auch Instagram & Influencern (wtf thooo) die Schuld, haha.
    Ich hab mich über deinen Nachhaltigkeitspost sehr gefreut, schöne Worte. Und den hier hab ich auch schon vor ewigkeiten gelesen, aber irgendwie keine Worte gefunden, das tut mir ehrlich leid, ich bin so ein schlechter Leser. Aber ich schwöre lese!!

    xx

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